Instagram wird Fernsehen: Was Adam Mosseri ankündigt und was das für Unternehmer heißt
Adam Mosseri, der Chef von Instagram, hat im Oktober 2026 bei Colin and Samir erklärt, wohin die Plattform geht: lange Videos im Querformat, Kennzeichnung für KI-Accounts, Fernsehen als Ziel. Ich habe mir das genau angesehen. Und meine Meinung dazu ist ziemlich klar: Wer jetzt wieder hinter dem nächsten Format herrennt, hat das Wichtigste nicht verstanden.
Kurz gesagtInstagram testet seit Ende Oktober 2026 „Features“: Videos im Querformat mit bis zu 90 Minuten Länge, zuerst in Brasilien, dann in einem kleinen Test in den USA. KI-Accounts müssen sich kennzeichnen. Für Unternehmer ändert sich weniger, als die Schlagzeilen sagen: Kurze Videos bringen dich ins Gespräch, lange überzeugen die, die schon Interesse haben. Ausgespielt wird, was Menschen wirklich etwas bringt, nicht ein bestimmtes Format.
Was Mosseri bei Colin and Samir gesagt hat
Colin and Samir gehören in den USA zu den bekanntesten Stimmen rund um Creator und Plattformen. Ende Oktober 2026 saß Adam Mosseri bei ihnen und hat ziemlich offen geredet. Die wichtigsten Punkte, so wie sie unter anderem TechCrunch und The Verge berichtet haben:
- Lange Videos kommen. Unter dem Namen „Features“ testet Instagram Videos im Querformat mit bis zu 90 Minuten: Podcasts, Vlogs, Interviews. Der Test startet in Brasilien, ein kleiner Test in den USA ist angekündigt.
- Mosseri war selbst lange dagegen. Sein Argument bisher: Kurze Videos wie Reels werden viel häufiger geteilt und per Direktnachricht verschickt.
- Das Ziel ist der Fernseher. Instagram will auch auf dem großen Bildschirm stattfinden. Bis das gut funktioniert, dauert es laut Mosseri noch.
- Kurz und lang sollen zusammenspielen. Aus einem langen Video lassen sich Reels schneiden, die auf das ganze Video verweisen.
- Geld verdienen Creator weiter vor allem über Marken. Ein Modell, bei dem Instagram Werbeeinnahmen mit Creatorn teilt, gibt es für die langen Videos noch nicht.
- KI-Accounts müssen sich kennzeichnen. Die Ablehnung gegenüber KI-Inhalten werde weiter wachsen, sagt Mosseri. Auf die Frage, ob KI-Inhalte genauso gut ausgespielt werden wie andere, war seine Antwort sinngemäß: wahrscheinlich nicht.
„Lange war ich dagegen, lange Videos auf Instagram zu bringen.“
Meine Meinung: „Instagram pusht jetzt X“ ist die immer gleiche Lüge
Erst hieß es: Instagram pusht Reels. Dann: Instagram pusht Karussells. Jetzt wird es heißen: Instagram pusht lange Videos. Und jedes Mal rennen tausende Unternehmen los und ändern ihr Format, statt ihren Inhalt.
Ich halte das für eine der schädlichsten Ideen im Online-Marketing. Kein Format rettet einen Beitrag, der niemandem etwas bringt. Wenn dein Inhalt langweilig ist, wird er als Karussell langweilig sein, als Reel und auch als 90-Minuten-Video. Die Plattform will, dass Menschen bleiben. Also spielt sie aus, was Menschen anschauen, teilen und an Freunde schicken.
Mosseri sagt das im Grunde selbst: Reels sind stark, weil sie geteilt und verschickt werden. Nicht, weil irgendwo ein Schalter „Reels bevorzugen“ steht. Der Mensch entscheidet, die Plattform zieht nach.
Was das für dich als Unternehmer bedeutet
- Kurz holt, lang überzeugtReels bleiben dein Türöffner. Lange Videos sind für die Menschen, die dich schon kennen und tiefer einsteigen wollen: das Interview mit deinem Kunden, die Führung durch deinen Betrieb, das ehrliche Gespräch über Preise.
- Aus einem langen Gespräch zehn kurze machenWenn Instagram lange Videos und daraus geschnittene Reels verbindet, ist das für Unternehmer eine Einladung: einmal gut drehen, dann über Wochen ausspielen.
- Echt schlägt glattWenn KI-Inhalte gekennzeichnet werden und schlechter laufen, gewinnt, wer echte Menschen und einen echten Betrieb zeigt. Dein Gesicht, deine Leute, deine Werkstatt. Das kann keine KI für dich erfinden.
- Die eine Frage vor jedem BeitragWürde jemand das einem Kollegen weiterschicken? Wenn nein, hilft dir auch kein neues Format.
Wie aus Aufmerksamkeit dann tatsächlich Anfragen werden, habe ich in Aufmerksamkeit in Umsatz verwandeln aufgeschrieben.
Soll ich jetzt lange Videos machen?
Testen: ja. Alles umstellen: nein. Die Funktion läuft erst als Test, ein Modell, mit dem Creator daran verdienen, gibt es noch nicht, und auf dem Fernseher ist Instagram noch nicht da, wo Mosseri hinwill. Wer schon gute Gespräche oder Einblicke filmt, kann sie zusätzlich lang ausspielen. Wer noch keine guten kurzen Videos hat, sollte dort anfangen.
Häufige Fragen
Was sind Instagram „Features“?
Ein neues Videoformat, das Instagram seit Ende Oktober 2026 testet: Videos im Querformat mit bis zu 90 Minuten, etwa Podcasts, Vlogs oder Interviews. Der Test begann in Brasilien, ein kleiner Test in den USA ist angekündigt.
Bevorzugt Instagram jetzt lange Videos?
Nein, so funktioniert das nicht. Instagram spielt aus, was Menschen anschauen, teilen und verschicken. Laut Adam Mosseri werden kurze Videos sogar deutlich häufiger geteilt. Lange Videos sind eine Ergänzung, kein Ersatz.
Müssen KI-Inhalte auf Instagram gekennzeichnet werden?
Instagram beginnt, KI-Accounts zur Selbstkennzeichnung zu verpflichten. Adam Mosseri erwartet, dass KI-Inhalte im Schnitt eher schlechter laufen, weil die Ablehnung bei Nutzern wächst.
Was sollten Unternehmen jetzt tun?
Weiter auf kurze, echte Videos setzen, die geteilt werden, und lange Formate testen, wo es schon gute Gespräche oder Einblicke gibt. Wichtiger als das Format ist, ob der Inhalt den Zuschauern etwas bringt.
Quellen
- Instagram, explained by the guy who runs it (Colin and Samir mit Adam Mosseri), Colin and Samir, 27. Oktober 2026
- The Future of Instagram according to Adam Mosseri, Colin and Samir, 26. Oktober 2026
- Watch out, YouTube: Instagram goes from short-form to 90-minute videos, TechCrunch, 26. Oktober 2026
Geschrieben von Cedric Ruppenthal
Gründer von cebo studio, verantwortet Strategie und Markenführung. Vom Praktikanten im Autohaus über den Verkauf und die Verkaufsleitung bis in die Geschäftsführung, zuletzt verantwortlich für über 70 Mitarbeiter. Heute berät er Unternehmer zu Marketing, Vertrieb und Führung. Mehr von ihm auf Instagram.
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