Fallen die Cookie-Banner bald weg? Was die EU am 21. Oktober wirklich beschlossen hat
Seit ein paar Tagen lese ich wieder Überschriften, nach denen das Ende der Cookie-Banner naht. Das lese ich ungefähr einmal im Jahr, zuverlässig wie die Zeitumstellung. Diesmal ist der Anlass ein Beschluss der EU-Staaten vom 21. Oktober 2026. Ich habe mir angeschaut, was da tatsächlich drinsteht. Kurz: Der Banner bleibt. Er darf nur seltener nerven, und für manche Websites wird er deutlich kleiner.
Kurz gesagtNein, Cookie-Banner fallen nicht weg. Die EU-Staaten haben sich am 21. Oktober 2026 nur auf ihre Verhandlungsposition zum Digital Omnibus geeinigt: Die Einwilligung bleibt Pflicht, es soll aber mehr Ausnahmen geben, etwa für eigene, anonyme Reichweitenmessung, und Ablehnen soll mit einem Klick gehen. Geltendes Recht ist das noch nicht, ein Abschluss wird nicht vor Ende 2027 erwartet.
Das Märchen: „Die EU schafft die Cookie-Banner ab“
Die Idee dahinter klang tatsächlich mal gut. Die EU-Kommission hatte im November 2025 mit dem sogenannten Digital Omnibus vorgeschlagen, dass Browser ein maschinenlesbares Signal senden können: Du stellst einmal ein, was du erlaubst, und jede Website hält sich daran. Kein Banner mehr, kein Wegklicken, kein „Alle akzeptieren“ in Riesenknopf neben „Einstellungen“ in grauer Minischrift.
Genau dieser Teil ist raus. Laut PPC Land hatte der Rat die Browser-Signale schon im Juni gestrichen, und auch ein offener Brief von 19 Organisationen im September hat daran nichts geändert. Wer also auf den einen Schalter im Browser gehofft hat: Den gibt es in der Position der Mitgliedstaaten nicht.
Was der Rat am 21. Oktober tatsächlich beschlossen hat
Die Botschafter der Mitgliedstaaten haben sich auf ein Verhandlungsmandat geeinigt, veröffentlicht am 22. Oktober als Ratsdokument 14756/26. Deutschland, Estland und Österreich haben laut DATEV dagegen gestimmt, sich aber nicht durchgesetzt. Für Websites sind diese Punkte wichtig:
- Die Einwilligung bleibt. Cookies und Tracking bleiben in der ePrivacy-Richtlinie geregelt, nicht in der DSGVO, wie es die Kommission wollte.
- Sechs Ausnahmen ohne Einwilligung: Übertragung von Kommunikation, ein ausdrücklich angeforderter Dienst, Reichweitenmessung durch den Betreiber selbst, Mediennutzungsmessung nach dem Medienfreiheitsgesetz, technische Sicherheit und die Messung kontextueller Werbung, jeweils mit engen Bedingungen.
- Ablehnen mit einem Klick: Nein sagen soll so einfach sein wie Ja sagen.
- Vier Monate Ruhe: Wer ablehnt, darf für denselben Zweck mindestens vier Monate nicht erneut gefragt werden. Die Kommission wollte sechs.
- Was weiterhin Einwilligung braucht: verhaltensbasierte Werbung, Tracking über mehrere Websites hinweg und die programmatische Nutzung der Daten.
Übersetzt: Der klassische Werbe-Stack mit Meta-Pixel, Google-Ads-Remarketing und drei Analyse-Tools braucht auch künftig ein Ja. Eine Website, die nur zählt, wie viele Leute welche Seite besuchen, und diese Daten für sich behält, könnte dagegen ohne Banner auskommen.
Warum sich vor Ende 2027 nichts ändert
Ein Verhandlungsmandat ist kein Gesetz. Es ist die Position, mit der die Mitgliedstaaten in die Gespräche gehen. Und das ist der Fahrplan, so wie ihn die Quellen beschreiben:
- Parlament legt seine Position festLaut DATEV frühestens im Frühjahr 2027. Laut PPC Land liegen dort über 1.000 Änderungsanträge auf dem Tisch.
- TrilogRat, Parlament und Kommission verhandeln einen gemeinsamen Text. Was der Rat jetzt beschlossen hat, kann sich dabei noch ändern.
- AnnahmeEinen Abschluss erwartet DATEV nicht vor Ende 2027.
- Umsetzung in deutsches RechtDie Cookie-Regeln stehen in einer Richtlinie. Die Mitgliedstaaten sollen laut Ratstext 24 Monate Zeit haben, sie umzusetzen.
Bis dahin gilt in Deutschland, was heute gilt: Paragraf 25 TDDDG. Wer etwas auf dem Gerät des Besuchers speichert oder ausliest, das nicht unbedingt erforderlich ist, braucht eine Einwilligung. Das ist keine Rechtsberatung, nur der Hinweis: Wer seinen Banner wegen einer Überschrift abschaltet, hat ein Problem, und zwar jetzt.
Wie ein Cookie-Banner technisch eigentlich funktioniert
Weil das gern durcheinandergeht: Der Banner ist kein Schutzschild, sondern eine Weiche. Ein sauberes Consent-Tool lädt Skripte von Google, Meta und Co. erst dann, wenn jemand zugestimmt hat. Vorher laufen sie nicht. Klingt banal, ist aber auf erstaunlich vielen Seiten nicht so: Da steht der Banner hübsch im Bild, und im Hintergrund haben die Pixel längst gefeuert.
Die zweite Sache, die viele nicht wissen: Lehnt jemand ab, ist er für deine Werbe-Auswertung weitgehend unsichtbar. Deine Zahlen in Google Analytics oder im Werbekonto zeigen also nie alle Besucher, sondern nur die, die Ja gesagt haben, ergänzt um Hochrechnungen. Wer seine Anzeigen nur nach diesen Zahlen steuert, steuert nach einem Ausschnitt. Warum es sich lohnt, stattdessen auf echte Anfragen zu schauen, steht in Mehr Klicks, weniger Abschlüsse.
Checkliste: Was du mit deiner Website jetzt schon tun kannst
Warten bis 2028 ist keine Strategie. Die Richtung ist klar genug, um heute aufzuräumen:
- Inventur machen: Welche Skripte lädt deine Seite wirklich? Öffne sie im Browser mit den Entwicklerwerkzeugen, Reiter Netzwerk. Du wirst staunen, was da alles mitläuft, oft von Tools, die seit Jahren niemand mehr nutzt.
- Ausmisten: Jedes Skript, das du nicht brauchst, fliegt raus. Das macht den Banner kürzer und die Seite schneller.
- Prüfen, ob vor dem Ja schon etwas lädt: Seite in einem privaten Fenster öffnen, nichts anklicken, Netzwerk-Reiter anschauen. Tauchen dort schon Facebook- oder Google-Ads-Adressen auf, stimmt die Weiche nicht.
- Ablehnen gleichwertig machen: Ein „Ablehnen“-Knopf auf der ersten Ebene, genauso sichtbar wie „Akzeptieren“. Das ist die Richtung, die auch der Ratstext vorgibt.
- Messen, was ankommt: Anfragen, Anrufe und Terminbuchungen zählst du am besten dort, wo sie eingehen, im eigenen Postfach oder System. Das funktioniert unabhängig davon, ob jemand Cookies erlaubt hat.
- Reichweite sparsam messen: Für die reine Frage, wie viele Leute welche Seite sehen, reicht oft eine Messung, die anonym und nur für dich zählt. Genau so etwas will der Rat künftig ohne Einwilligung erlauben.
Mein Fazit: Weniger Tracking ist kein Verlust
Ehrlich gesagt finde ich die Richtung gar nicht schlecht. Die meisten Websites im Mittelstand sammeln viel mehr Daten, als irgendjemand jemals auswertet. Am Ende zählt nicht, wie viele Pixel auf deiner Seite feuern, sondern ob sich jemand meldet. Wie aus Besuchern Anfragen werden, habe ich in Mit Social Media Anfragen gewinnen zusammengefasst.
Und falls dir jemand demnächst erzählt, die Cookie-Banner seien abgeschafft: Frag nach dem Ratsdokument. Dann wird es meistens still.
Häufige Fragen
Werden Cookie-Banner abgeschafft?
Nein. Die EU-Staaten wollen die Einwilligungspflicht beibehalten und nur zusätzliche Ausnahmen schaffen, etwa für anonyme Reichweitenmessung durch den Betreiber selbst. Das zentrale Browser-Signal, das Banner überflüssig machen sollte, haben sie gestrichen.
Was ist der Digital Omnibus?
Ein Gesetzespaket der EU-Kommission vom November 2025, das mehrere Digitalgesetze vereinfachen soll, darunter Regeln zu Cookies, DSGVO und KI. Der Rat hat am 21. Oktober 2026 seine Verhandlungsposition beschlossen, das Parlament hat seine noch nicht festgelegt.
Ab wann gelten die neuen Cookie-Regeln?
Noch gar nicht. Ein Abschluss des Verfahrens wird nicht vor Ende 2027 erwartet, danach haben die Mitgliedstaaten laut Ratstext 24 Monate Zeit für die Umsetzung. Bis dahin gilt in Deutschland Paragraf 25 TDDDG.
Brauche ich für Google Analytics oder das Meta-Pixel weiterhin eine Einwilligung?
Nach dem Ratsmandat ja, sobald Daten für verhaltensbasierte Werbung, websiteübergreifendes Tracking oder programmatische Werbung genutzt werden. Ohne Einwilligung soll nur eine eng begrenzte, eigene Reichweitenmessung erlaubt sein.
Quellen
- Rat der EU: Einigung auf Verhandlungsmandat zum Digitalen Omnibus, DATEV Informationsbüro Brüssel, 26. Oktober 2026
- EU Council agrees 4-month cookie re-ask wait for Digital Omnibus talks, PPC Land, 25. Oktober 2026
- EU Council draft cuts cookie consent re-ask wait to four months, PPC Land, 10. Oktober 2026
Geschrieben von Bastian Obitz
Mitgründer von cebo studio. Sechs Jahre Veranstaltungstechnik, danach Metallbau, seit 2019 hinter der Kamera. Er baut bei cebo den Look der Videos und die Technik dahinter: Kundenseiten, Auswertung und Werkzeuge, mit denen aus Aufmerksamkeit Anfragen werden.
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