Die große SaaS-Welle: schönes Spielzeug, aber wo ist das Produkt?
Mein Feed ist gerade voll davon: „Ich habe mit KI in zwei Stunden eine App gebaut.“ „Kommentiere GAME und ich schicke dir die Anleitung.“ Ich schaue mir das gern an. Wirklich. Es ist beeindruckend, was heute in ein paar Stunden auf dem Bildschirm steht. Aber zwischen dem, was da glänzt, und einem Produkt, dem ein Unternehmen seine Kundendaten anvertraut, liegt ungefähr so viel wie zwischen einem Showroom-Foto und einem Auto, das 200.000 Kilometer hält.
Kurz gesagtKI macht es leicht, die sichtbare Hälfte einer Software zu bauen: Oberfläche, Landingpage, Demo. Die unsichtbare Hälfte entscheidet aber, ob ein Produkt im Alltag trägt: Rechte und Rollen, sichere Anmeldung, Datensicherung, Datenschutz, Updates, Betrieb und Support. Deshalb entwickeln wir Produkte für Unternehmen gemeinsam mit erfahrenen Softwareentwicklern bis zur Marktreife.
Märchen Nummer eins: Mit KI braucht man keine Entwickler mehr
Doch, braucht man. Nur an einer anderen Stelle. Die KI schreibt dir in Minuten eine schicke Oberfläche, ein Formular, ein Dashboard mit Diagrammen. Das ist der Teil, den man im Reel zeigen kann. Was sie dir nicht abnimmt: die Entscheidung, was passieren soll, wenn etwas schiefgeht. Und bei Software geht ständig etwas schief.
Ein Kollege hat mir neulich so ein Video geschickt. Meine Antwort war: „Nice, schönes Spielzeug.“ Das meine ich nicht böse. Spielzeug ist großartig, um etwas auszuprobieren. Man sollte es nur nicht verwechseln mit dem Werkzeug, mit dem man Geld verdient.
Was hinter der glänzenden Oberfläche fehlt
Wenn ich mir neue Tools ansehe, frage ich nicht als Erstes, wie sie aussehen. Ich frage nach den langweiligen Dingen:
- Rechte und Rollen: Wer darf was sehen, wer darf was ändern, wer darf löschen?
- Anmeldung: Gibt es einen zweiten Faktor, eine Sperre nach Fehlversuchen, saubere Sitzungen?
- Datensicherung: Was passiert, wenn morgen die Datenbank kaputt ist? Und wurde das Wiederherstellen schon einmal ausprobiert?
- Datenschutz: Wo liegen die Daten, gibt es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung, werden Daten wirklich gelöscht?
- Änderungen: Kann man eine fehlerhafte Änderung zurücknehmen, oder ist dann einfach alles weg?
- Betrieb: Wer merkt nachts um drei, dass etwas nicht läuft? Wer ruft zurück, wenn ein Kunde nicht weiterkommt?
Nichts davon sieht man in einer Demo. Alles davon merkt man, wenn es fehlt.
Ein Beispiel aus unserem eigenen Haus
Wir haben uns für cebo studio eine eigene Zentrale gebaut, in der wir Anfragen, Akquise und unsere Website steuern. Die Oberfläche war das Schnellste daran. Die meiste Arbeit steckt in Dingen, die niemand bewundert: Rollen, damit nicht jeder alles darf. Anmeldung mit zweitem Faktor. Jede Veröffentlichung braucht eine Freigabe und lässt sich mit einem Klick zurücknehmen. Zugangsdaten liegen verschlüsselt. Genau dieser unsichtbare Teil ist der Grund, warum wir dem Ding vertrauen.
Warum mich die Welle auch ein bisschen nervt
Nicht wegen der Technik, sondern wegen dem, was sie mit Unternehmen macht. Jede Woche ein neues Abo, das ein Problem löst, das man vorher nicht hatte. Kundendaten, die über ein Dutzend Tools verteilt liegen, von denen die Hälfte in einem Jahr nicht mehr existiert. Kleine Betriebe, die unfreiwillig zu Testkunden werden. Und eine ganze Branche, die mit dem Versprechen „ohne Vorkenntnisse in zwei Stunden“ vor allem Kurse verkauft.
Wer Software baut, in der die Daten anderer Menschen liegen, trägt Verantwortung. Das ist kein Spaßverderber-Satz, das ist der Kern des Ganzen.
Wie wir es machen
Wir nutzen KI jeden Tag, zum Bauen, Testen und Schreiben. Aber wenn wir für Unternehmen Produkte entwickeln, holen wir erfahrene Softwareentwickler dazu. Mit ihnen entwickeln wir Produkte im Enterprise-Bereich bis zur Marktreife und setzen sie auch um: mit sauberem Datenmodell, Rechten, Sicherheit, Tests und einem Plan für den Betrieb. Die KI macht uns schneller. Die Erfahrung sorgt dafür, dass es hält.
- Was soll das Produkt wirklich lösen?Ein klares Problem, eine klare Zielgruppe, bevor die erste Zeile geschrieben wird.
- Was darf nie passieren?Datenverlust, falsche Rechte, Ausfall am Monatsende. Das wird zuerst abgesichert.
- Wer betreibt es danach?Updates, Datensicherung, Support. Sonst ist es kein Produkt, sondern ein Projekt mit Ablaufdatum.
Häufige Fragen
Kann man mit KI ohne Programmierkenntnisse eine App bauen?
Einen Prototyp mit Oberfläche: ja, oft in wenigen Stunden. Ein Produkt, das Kundendaten sicher verwaltet, Rechte kennt, gesichert wird und im Alltag zuverlässig läuft, braucht weiterhin Erfahrung in Softwareentwicklung und Betrieb.
Worauf sollte ich bei einem neuen SaaS-Tool achten?
Auf Rechte und Rollen, sichere Anmeldung mit zweitem Faktor, Datensicherung, den Ort der Datenhaltung, einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung, die Möglichkeit, Änderungen zurückzunehmen, und darauf, wer im Störfall erreichbar ist.
Ist KI-generierter Code schlecht?
Nein. KI-Code kann sehr gut sein. Entscheidend ist, dass jemand mit Erfahrung entscheidet, was gebaut wird, ihn prüft, testet und die Verantwortung für den Betrieb übernimmt.
Wie entwickelt cebo studio Software für Unternehmen?
Gemeinsam mit erfahrenen Softwareentwicklern: vom klaren Problem über Datenmodell, Rechte und Sicherheit bis zur Marktreife und Umsetzung. KI beschleunigt die Arbeit, ersetzt aber nicht die Erfahrung.
Geschrieben von Bastian Obitz
Mitgründer von cebo studio. Sechs Jahre Veranstaltungstechnik, danach Metallbau, seit 2019 hinter der Kamera. Er baut bei cebo den Look der Videos und die Technik dahinter: Kundenseiten, Auswertung und Werkzeuge, mit denen aus Aufmerksamkeit Anfragen werden.
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